Essen im Religionskontakt – zwischen Nähe und Distanz


(Essenvorbereitung in einem Sikh-Tempel, Foto: Gudrun Löwner)

Vom 06.-08. Oktober 2016 fand in der Evangelischen Akademie Meißen die Jahrestagung der

Deutschen Gesellschaft für Missionswissenschaft (DGMW) unter dem Titel

Essen im Religionskontakt – zwischen Nähe und Distanz

statt. Thematisch ging es darum, dass in vielen Gesellschaften das Maß an kulturell-religiöser Pluralität zunimmt und sich damit auch an Religionstraditionen die Frage nach den Potentialen eines konstruktiven Miteinanders stellt: Wie werden interreligiöse Beziehungen gedeutet, in welchen Medien ereignen sie sich und wie werden die Kontakte gestaltet?

Auf der Tagung wurde die Thematik von verschiedenen Seiten beleuchtet, so am Donnerstag im ersten Vortrag von Prof. Dr. Bertram Schmitz (Universität Jena) unter der Überschrift Religiös konnotiertes Essen als Partizipation, Integration & Separation. Für die Sikh-Tradition sprach Prof. Dr. Gudrun Löwner (United Theological College Bangalore, Indien) über Heiliges Essen im Sikhismus – Gastfreundschaft über Grenzen hinweg, während Prof Dr. Daniel Jeyaraj (Hope University, Liverpool) unter Wie, was und mit wem sollen Christen in Indien essen? Eine missionsgeschichtliche Untersuchung sowohl eine missionshistorische Orientierung gab als auch Einblicke zur aktuellen Situation in Indien vermittelte.




(Prof. Dr. Gudrun Löwner)

Bei einem gemütlichen Beisammensein wurde von Prof. Dr. Henning Wrogemann und PD Dr. Rainer Neu ein herzlicher Dank an Prof. Dr. em. Dieter Becker ausgesprochen, der die DGMW als Vorsitzender von 2004-2015 ebenso engagiert wir umsichtig geleitet hat.

Am Freitag wurde die Thematik durch den Vortrag von Dr. Richard Harvey (PhD, Univ. of Wales) unter dem Titel Messianische Juden – Essen und Suche nach Identität weitergeführt. Anschließend wurde in Workshops zu folgenden Fragen diskutiert:

Workshop 1: Identität: Messianische Juden (Richard Harvey), Workshop 2: Gerechtigkeit: Ernährung (Dagmar Doko Waskönig, V. Grüter), Workshop 3: Koexistenz: Soziale Einrichtungen (Mathias Hamann), Workshop 4: Sakrament: Abendmahl interreligiös? – Pro und Contra (Dr. Stefan Jäger). Nachmittags fanden Panels mit Nachwuchs-Wissenschaftler und –Wissenschaftlerinnen statt, bevor in weiteren Vorträgen Einblicke in Hindu-Traditionen und islamische Lebenswelten gegeben wurde durch PD Dr. phil. Renate Syed (Universität München) unter A real Hindu eats nothing with eyes – Hindu-Nationalismus und Nahrung als Element der Hindu-Identität sowie Prof. Dr. Paula Schrode (Universität Bayreuth) zum Thema Halal-Ernährung in einer pluralen Gesellschaft – Fragen und Antworten von Muslimen in Deutschland. Bei der abendlichen Mitgliederversammlung der DGMW konnten 14 neue Mitglieder in die DGMW aufgenommen werden. Damit gewinnt die DGMW weiterhin an Mitgliedern hinzu, was ein deutliches Interesse am Thema Missionswissenschaft und Missionstheologie und Interkultureller Theologie erkennen lässt.




(Frau Dagmar Doko Waskönig)

Am Samstag stellte die Buddhistin Frau Dagmar Doko Waskönig sehr anschaulich ihr Verständnis von Nahrung, Nahrungsaufnahme und Lebenshaltung vor. Dem schloss sich eine Podiumsdiskussion mit allen beteiligten Referenten/innen an.


(Podiumsdiskussion, v. li.: Prof. Dr. D. Jeyaraj, Prof. Dr. G. Löwner, PD Dr. R. Syed, Dr. R. Harvey, Prof. Dr. H. Wrogemann, Prof. Dr. D. Hiller, Frau Dagmar Doko Waskönig)

Für Interessierte bestand nach Abschluss der Tagung die Möglichkeit, unter dem Titel Vom Essen zum Speisen: Tafelkultur in und um Meißen an einer Themenführung durch die Manufaktur Meißen und das angeschlossene Porzellanmuseum sowie anschließend an einer Weinbergtour mit Weinverkostung auf dem Marienberg unter der Führung der ehemaligen sächsischen Weinkönigin Anja Fritz teilzunehmen. Das Anschlussprogramm mündete in ein festliches Abendessen von Meißener Porzellan im Restaurant der Porzellanmanufaktur, begleitet von launigen kulturgeschichtlichen Erläuterungen.


(Museum der Porzellan-Manufaktur)

Allen an der Vorbereitung und Durchführung dieser überaus erfreulichen Tagung Beteiligten sei hiermit im Namen des Verwaltungsrates der DGMW ein ganz herzlicher Dank ausgesprochen.

(Henning Wrogemann)